Skiausflug Bortelid
In der Tat war es eine unglaubliche Geschichte, die mein Mann Johannes und ich letztes Jahr in Norwegen erlebt haben. Wir wollten als Pensionäre die Weihnachtszeit endlich einmal ganz beschaulich in Skandinavien erleben.
So verschlug es uns am 22. Dezember in den kleinen Ort Bortelid der südnorwegischen Kommune Aseral. Von unserem gemütlichen Ferienhaus ausgehend unternahmen wir ausgedehnte Wanderungen durch die ursprüngliche Landschaft. Am zweiten Abend saßen wir dann mit einem jungen Touristenpärchen aus England noch lange zusammen bei heißem Tee, Keksen und Würfelspielen.
Am nächsten Morgen weckte mich Johannes ganz begeistert:
“Das mußt du dir anschauen Helga! Alles weiß!”
Tatsächlich hatte es in der Nacht das erste Mal in diesem Jahr geschneit und die Landschaft lag einfach herrlich da. Nachmittags liehen wir uns Langlaufski, um die ersten gezogenen Loipen auszuprobieren.
Wir waren begeistert von den umwerfenden Eindrücken, die sich uns boten und merkten gar nicht, wie schnell die Zeit verging und uns die zügig einsetzende Dunkelheit “überraschte”.
“Wir haben uns wohl ziemlich weit von Bortelid entfernt”, meinte Johannes und deutete dann auf eine kleine Baumgruppe zu der wir hinfuhren. Wir schnallten die Ski ab und setzten uns auf einen quer liegenden Baumstamm. Es war fast schon romantisch, als wir uns eng aneinander kuschelten und bei Thermoskannentee und einigen Bissen Trockenfleisch überlegten, was wir nun unternehmen sollten.
Für eine kurze Weile müssen wir tatsächlich beide eingenickt sein, denn Johannes zuckte ebenfalls zusammen, als uns ein vielstimmiges Glöckchengeläut weckte. Ich öffnete die Augen – irgendetwas Rotes leuchtete in unsere Gesichter und blies uns feuchtwarme Luft entgegen. Mit einer Art Knurren entferte sich das Ding ein wenig rückwärts und wir waren platt, als wir erkannten, wer da leibhaftig vor uns stand. Zuerst dachte ich noch, ich halluziniere. Doch Johannes sah genau das Gleiche: Rudolph, das rotnasige Rentier. Seine Nase leuchtete tatsächlich und nun sahen wir, dass es nicht allein war. Comet, Donner und Blitzen und alle anderen Rentiere des bekannten Gespannes standen vor einem reich verzierten, mit Lichterketten geschmückten Schlitten.
“Aseral?”, fragte uns der bärtige Weihnachtsmann vom Schlitten herunter. Ich dachte, ich wäre im falschen Film.
“Borte…lid!”, stammelte Johannes nickend und Santa Claus antwortete mit einer einladenden Geste in seinen Schlitten.
Wir werden diese Nacht nie vergessen. Unter dem leuchtenden Sternenhimmel fuhren wir im Schlitten des Weihnachtsmannes zurück zu unserem Ferienhaus. Bei einem Grog zum Aufwärmen erfuhren wir dann, dass “Santa Claus” mit dem imposanten Schlitten in der Weihnachtsnacht durch die umliegenden kleinen Dörfer und Orte fuhr, damit die Kinder sich an den Fensterscheiben staunend die Nasen plattdrücken konnten, wenn sie den “echten” Weihnachtsmann samt “Rudi” sahen. Reiseziel Norwegen für jeden der Ruhe und natur liebt.
Unsere englischen Freunde lachten sich jedenfalls kugelig, als wir ihnen von unserer sagenhaften Begegnung erzählten. Und mit uns beiden hat Norwegen zwei neue gute Freunde gefunden.
